Vor- und Nachteile von Verfugungsarten

… und dann wollen wir da aber nicht ständig Gras aus den Fugen ziehen müssen …

Diesen Wunsch hört man als Landschaftsgärtner nicht selten, wenn es um die Erstellung von Belagsflächen geht, und tatsächlich sind die unterschiedlichen Verfugungsmöglichkeiten der Rede und damit einen Artikel wert.

Grundsätzlich ist vorweg zu nehmen, dass bei jedem Belag Fugen entstehen. Bei Pflaster mehr, bei Platten weniger, bei gebrochenem Naturstein breiter, bei gesägtem Naturstein oder Beton enger (Betonpflaster und Platten müssen laut Hersteller mit mindestens 3mm Fuge verlegt werden – nur mal so zur Info).

Lange Zeit wurden diese Fugen ausgesandet und auch heute noch ist das eine einfache und nicht grundsätzlich schlechte Variante. Die Wahl des Füllmaterial beim Aussanden richtet sich nach der Fugenbreite, speziellen Ansprüchen (z. B. wasserdurchlässig) und der Gestaltung (z. B. Farbe). Für schmale Fugen eignet sich vor allem Quarzsand, der sich (trocken) leicht einkehren lässt und sich durch Wässern/Regen sehr gut in der Fuge ausbreitet und verdichtet. Ebenfalls gut geeignet sind Brechsand oder bei breiteren Fugen auch feine Splitte (z. B. Körnung 1-3mm). Das gebrochene Korn verringert den Unkrautbewuchs, und die feinen Splitte sind zudem zuverlässig wasserdurchlässig. Für wirkliche Sickerfugen eignen sich noch grobere Edelsplitte (kein Kalksteinsplitt wegen Auswaschungen!). Die großen Vorteile beim Aussanden sind der geringe Aufwand/die geringen Kosten, die Flexibilität (keine Risse in den Fugen) und die Wasserdurchlässigkeit (je nach Fuge). Nachteile sind vor allem möglicher Unkrautbewuchs und Ausspülungen/Auswaschungen. Im öffentlichen Bereich kam dazu, dass es gerade bei Natursteinpflasterflächen zu Problemen mit Fußgängern (verstauchte Knöchel bei Damen die mit hohen Absätzen, die in den Fugen hängen blieben) kam. Die Fuge musste also fest geschlossen werden.

Feste Fuge – wozu gibt es Beton/Mörtel? Die Antwort: NICHT HIERFÜR!! Grundsätzlich ist es möglich, einen Belag mit Mörtel auszufugen. Die starre Verfugung setzt allerdings auch einen starren Untergrund voraus und dieser ist im Bestand selten gegeben und bei Neuanlagen unüblich und teuer. Was passiert, wenn man bestehende Pflasterbeläge mal eben mit Mörtel verfugt, durften viele Gemeinden und Städte kennen lernen. Der dynamische Aufbau im Untergrund (mit Schottertragschichten und Splittausgleichschichten) ließ (und lässt) solche Verfugungen so schnell reißen, dass man mit dem Flicken kaum nachkommt. Darüber hinaus sorgt bei großen Flächen die Versiegelung der Fuge für eine wesentlich stärkere Belastung der Entwässerungseinrichtungen, was ebenfalls zu Problemen führte.

Gesucht wurde also ein Fugenmaterial, welches fest wird, aber dennoch die Bewegungen eines dynamischen Oberbaus mitmacht, ohne zu reißen, und welches zudem wasserdurchlässig sein sollte. Für diese Aufgabe gibt es heute zwei Lösungen. Zum einen Polymersand, der ebenso wie ‘normaler’ Sand eingefegt und mit Wasser eingeschlämmt wird, jedoch nach dem Abtrocknen aushärtet. Bei Feuchtigkeit wird er wieder flexibel und kann so etwaige Risse wieder schließen. Die zweite und inzwischen sehr häufig verwendete Variante sind Kunstharzmörtel. Die häufig mehrkomponentigen Mischungen aus Kunstharz, Härter und Quarzsand bilden eine feste (häufig mit Zementmörtel verwechselte) Fuge. Der Einbau ist je nach Hersteller unterschiedlich, jedoch grundsätzlich recht unkompliziert. Vorsicht ist hingegen bei den Vorarbeiten angeraten. Um Spannungsrisse (durch starke Temperaturschwankungen) zu vermeiden, sollte man die Ausgleichsschicht beim Verlegen des Belags mit einem speziellen Einkornzement aufbessern und zudem unter der Platte eine Haftschlämme verwenden. Das Fugenmaterial zusammen mit dem (wesentlich) erhöhten Aufwand beim Verlegen machen die (fachgerechte) Verfugung mit Epoxitharzmörteln recht teuer. Dem entgegen steht der Vorteil dieser mit Sicherheit besten Lösung, eine Fuge dauerhaft sauber auszufugen.

Grundsätzlich muss man auch beim Thema Fugen einmal mehr feststellen, dass der Garten nun mal kein steriler oder auch nur pflegeleichter Bereich ist. Eine lose Verfugung auf dem heutigen Stand der Technik (Splittbettung und Quarz- oder Brechsandfuge) verringert die Probleme mit verunkrauteten Fugen gegenüber der herkömmlichen Verlegung in Sand deutlich. Feste Verfugungen sind zweifellos eine interessante Alternative, führen jedoch trotz stetiger Weiterentwicklungen und immer aufwendigerer Verlegungen immer noch häufig zu Problemen. Einmal mehr ist derjenige im Vorteil, der akzeptiert, dass man sich den Garten mit der Natur teilen muss, ab und an seine Belagsflächen pflegt und das, was dann noch an Moos oder Gräsern bleibt, mit einem Lächeln nimmt.

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