Die Qual der Wahl beim Großformat: Feinsteinzeug

Schon seit Jahren liegen großformatige Platten im Trend. Problematisch dabei im Bereich Natur- und Betonstein ist, dass solche Platten  durch die notwendigen Materialstärken und das dementsprechende Gewicht kaum zu handhaben sind. Mit Materialstärken von teilweise unter 2cm bieten Keramikplatten (Feinsteinzeug) seit einigen Jahren eine willkommene Alternative. Trotz oder zum Teil wegen der besonderen Eigenschaften dieses Materials kommt es jedoch zu überdurchschnittlich vielen Problemen und Mängeln. Da die Probleme fast ausschließlich auf eine falsche Verlegung oder Verfugung zurückzuführen sind, empfiehlt es sich, vor der Verwendung von Keramikplatten einen genauen Blick auf dieses Thema zu werfen.

Einige der wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Eine ungebundene Verlegung bietet sich nicht an. Aufgrund der geringen Materialstärke/des geringen Gewichts wird keine ausreichende Stabilität und Lagefestigkeit erreicht, so dass die Platten insbesondere bei Abrollbewegungen leicht ankippen oder sich verschieben können.
  • Durch die dichte Oberfläche haftet Oberflächenwasser länger an und Keramikbeläge trocknen deutlich langsamer ab. Es empfiehlt sich daher ein Mindestgefälle von 2% für begehbare und 2,5% für befahrbare Flächen.
  • Beim Verbund zwischen Platte und (Einkorn-)Verlegemörtel müssen spezielle (flexible) Haftbrücken/Kleber eingesetzt werden. Zum einen wird die Anhaftung durch die dichte Oberfläche ohnehin erschwert, zum anderen unterliegen die dünnen Platten starken Temperaturschwankungen (kurzzeitige Differenzen von 30° Celsius z. B. bei Sonneneinstrahlung und anschließendem Regen), was zu einer extremen Beanspruchung des Haftverbunds führt.
  • Hinsichtlich der Verfugung sollte man zwischen stranggepressten und plattengepressten Platten unterscheiden. Insbesondere Großformate werden ausschließlich plattengepresst hergestellt und erst nach dem Brand auf Format geschnitten oder geschliffen. Durch den Schnitt können die Seitenflanken anfälliger werden und es kann zu Schäden durch eindringende Bindemittel (z. B. Epoxidharz) kommen. Es empfiehlt sich, beim Plattenhersteller eine konkretes Produkt für die Verfugung anzufragen, um Probleme zu vermeiden.

Unabhängig davon sind selbstverständlich auch bei Keramikplatten die üblichen Richtlinien für die Herstellung von Belagsflächen hinsichtlich Ober- und Unterbau, Entwässerung etc. zu beachten. Wer alle Aspekte beachtet, findet mit Keramikplatten ein attraktives Material mit einigen interessanten Vorzügen. Neben der geringeren Materialstärke sind dies die verschiedene Optik, die hohe Druckstabilität sowie eine dichte (unanfällige) Oberfläche, die diesem Material bei inzwischen konkurrenzfähigen Preisen einen immer höheren Marktanteil bescheren.

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