Fünf Tipps zur Gartenplanung

1. Es geht um IHREN Garten

Sich für die Gestaltung des eigenen Gartens von anderen Gärten, Magazinen usw. inspirieren zu lassen, ist nicht grundsätzlich falsch. Leider gerät darüber jedoch in den Hintergrund, dass Ihr Garten nicht einem aktuellen Trend oder den Vorstellungen irgendeines Gartengurus entsprechen sollte, sondern einzig und alleine Ihren Wünschen. Gerade die Bilder in Gartenmagazinen sind häufig Momentaufnahmen, die einen Garten genau im richtigen Moment, genau im richtigen Licht und genau aus der richtigen Perspektive darstellen.

Tipp: Wenn Sie ein Bild oder Garten auf den ersten Blick begeistert/anspricht, dann nehmen Sie sich einen Moment Zeit und stellen Sie sich Fragen wie:

– Gefällt mir das Bild oder würde ich mich in diesem Garten gerne aufhalten?
– Sieht der Sitzplatz schön aus, oder könnte man hier angenehm sitzen?
– So sieht der Garten heute aus, aber wie zu einer anderen Tages- oder Jahreszeit?

2. Form folgt Funktion

Es ist zwar vielleicht eine Ingenieursweisheit, dass etwas erst mal funktionieren muss, ehe man am Aussehen feilt: dieser Grundsatz gilt jedoch auch für die Gartengestaltung. Aus diesem Grund ist die erste Aufgabe bei einer Gartengestaltung eine nüchterne und sachliche Analyse der Ausgangsituation. Von wo nach wo brauche ich Wege? Von wo aus schaue ich in den Garten? Von wo aus habe ich einen schönen Blick über den Garten oder auch darüber hinaus? Woher kommt die Sonne (morgens, mittags, abends)? Gibt es eine besonders schöne Ecke im Garten? Wo möchte/muss ich den Garten vor Einblicken schützen? ….

Mit den Antworten auf diese Fragen kann man überlegen (eigentlich sogar logisch konstruieren), wo Wege, Sitzplätze, Beete, Sichtschutz usw. liegen müssen. Und erst dann geht es an die Form.

3. Zwischen Architektur und Natur

Egal ob formwilder Naturgarten oder durchgestyltes Gartenkunstwerk – jede Gartengestaltung bewegt sich irgendwo zwischen der Architektur des Gebäudes (egal ob Bauhaus oder windschiefes Bauernhaus) auf der einen und der Natur auf der anderen Seite. Wer zu den einleitend genannten Extremen neigt, sollte sich vor Augen halten, dass beide Seiten – die klare Linie zum Einen und die lebendige Natur zum Anderen – wertvolle Aspekte für die Gartengestaltung bieten.

Der Garten ist nach meiner Auffassung ein gestalteter Naturraum, also ein Bereich, in dem sich Architektur und Natur treffen können und sollten, oder anders: in der Gartengestaltung kommen Garten und Gestaltung zusammen. Die Natur (frei wachsende Pflanzen, das Rascheln des Windes in den Blättern, das Kitzeln der Grashalme unter den Füßen, Schmetterlinge am Sommerflieder, die Sonne auf dem Rücken, der Geruch von frisch gemähtem Gras, ….) macht den Garten zu dem, was er eigentlich ist. Ein Rückzugsraum, eine Oase im Trubel des Alltags und die Möglichkeit „weg“ zu sein ohne zu verreisen. Klare Linien und Akzente (die Sitzmauer am Ende des Gartens, eine geschnittene Hecke mit Durchgang, eine auffällige Skulptur, ein kreisrunder Sitzplatz, eine quadratische Pergola, ein rechteckiges Wasserbecken, ein Wasservorhang oder eine bunte Sichtschutzwand, …) stechen gerade aus einem sonst naturnahem Umfeld heraus und dienen dadurch dazu, das Auge zu leiten, den Blick auf sich zu ziehen und den Garten zu gestalten.

Welche Aspekte in der Gestaltung überwiegen sollen, muss jeder individuell für sich entscheiden. Erst das Zusammenspiel von Architektur und Natur machen jedoch den Reiz eines Gartens aus.

4. Praktisch denken bei der Materialwahl

Natürlich spielt die Optik bei der Materialwahl eine wesentliche Rolle. Allerdings gibt es über das reine Aussehen hinaus noch ein Vielzahl an Aspekten, mit denen man die schier unüberschaubare Menge an Möglichkeiten sinnvoll eingrenzen kann.

Ein erster Aspekt ist die Form. Für eine runde Terrasse bieten sich Pflastersteine an und nicht eben großformatige Platten. Für eine gerade Mauer können geschichtete Palisaden eine einfache Lösung sein, während man bei Rundungen auf andere Bauweisen zurückgreifen sollte. Was auf den ersten Blick völlig logisch erscheint, wird in der Praxis doch häufig übersehen.

Ein weiterer Punkt sind technische Fragen: Für einen barrierefreien Terrassenanschluss bieten sich schwebende Konstruktionen aus Holz, WPC oder Platten auf Stelzlagern an. Beim Bau einer Mauer muss man sich Gedanken über die statische Beanspruchung machen, oder auch darüber, wie die Mauer genutzt werden soll (Sitzmauern oder Mauern im Spielbereich, sollten z. B. nicht mit kleinen Steinen trocken/lose gebaut werden).

Ebenfalls bedenkenswert ist die Dauerhaftigkeit bzw. der Pflegeaufwand und die Anfälligkeit der verschiedenen Materialien. Ob die graue Patina von verwittertem Holz eine Veredelung ist oder ungepflegt aussieht, ist Ansichtssache ebenso wie z. B. ob Roststahl (Corten) nach Alteisen oder moderer Architektur aussieht. Fakt ist, dass Materialien sich unterschiedlich entwickeln, unterschiedlich verschmutzen und unterschiedlich zu pflegen sind und dass man dies bei der Auswahl unbedingt berücksichtigen sollte.

Nicht zuletzt ist die Materialauswahl natürlich auch entscheidend für die Kosten. Die Preise unterschiedlicher Materialien im Internet zu vergleichen bringt hier jedoch keine nützlichen Erkenntnisse. Meist fließen die Materialpreise völlig anders in die Angebotskalkulation ein, als sie im Internet oder auch im Baumarkt angeboten werden. Einige Materialien werden im Internet zu Dumpingpreisen angeboten und lassen dem Gärtner keinen Raum für eine (notwendige) Marge, während andere Materialien im Internet zu völlig überzogenen Kleinmengenpreisen angeboten werden, auf die der Gärtner aufgrund höherer Abnahmemengen erheblich Nachlässe geben kann. Wesentlicher ist noch, dass für den Gesamtpreis z. B. einer Terrrasse nicht nur die reine Platte oder das Pflaster, sondern sämtliche Materialien des Aufbaus und nicht zuletzt natürlich auch der Verlegeaufwand relevant sind.

5. Das i-Tüpfelchen – Pflanzen

Wer an der Bepflanzung spart, spart am falschen Ende. Auch wenn man diese Aussage etwas relativieren muss, so ist sie doch grundsätzlich zutreffend. Die Menge und Größe von Pflanzen entscheidet am Ende nicht nur, wie der Garten mittelfristig wirkt, sondern auch, wieviel Arbeit man vor allem in der Anfangszeit mit dem Garten hat. Gerade bei der flächigen Bepflanzung gilt „Klotzen nicht Kleckern“, damit die Flächen möglichst innerhalb zwei bis drei Jahren geschlossen sind, und auch bei Hecken und Sträuchern sollte man bereits mit vernünftigen Größen und nicht mit Zwergexemplaren aus dem Baumarkt loslegen. Sparen kann man sich aus meiner Sicht dagegen die Investition in die neuesten Trends und Exoten. Das Spektrum an verfügbaren Pflanzen, die mit unseren klimatischen Verhältnissen klar kommen und keine unlösbaren Ansprüche hinsichtich Schnitt und Pflege stellen, reicht vollkommen aus, um Gärten schön, vielfältig und individuell zu gestalten.

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